Imperium Romanum

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Imperium Romanum. Studien zu Geschichte und Rezeption. Festschrift für Karl Christ zum 75. Geburtstag. Herausgegeben von Peter Kneissl und Volker Losemann. Franz Steiner Verlag Stuttgart 1998. ISBN 3-515-06929-1. 804 S. 

ARCTOS 34/2000
 

Das vorliegende Werk Imperium Romanum ist eine Festschrift für Karl Christ zu seinem 75. Geburtstag. Karl Christ ist ein Riese der Altertumskunde und seine umfassende wissenschaftliche Bibliographie reicht von der römischen Republik und Kaiserzeit bis an Wissenschafts- und Rezeptionsgeschichte. Seine Geschichte der römischen Kaiserzeit und Der Untergang des Römischen Reiches hat er ursprünglich als Arbeitsinstrumente in der Praxis des akademischen Unterrichts verfasst. In seinen wissenschaftsgeschichtlichen Studien (z.B. Zur Entwicklung der Alten Geschichte in Deutschland) hat er auch die unbequeme Problematik Antike und Nationalsozialismus behandelt.
In Imperium Romanum sind die 46 Aufsätze seiner Kollegen im alphabetischen Reihenfolge, doch eine thematische Unterteilung hätte die Vielfältigkeit der Artikel sowie der wissenschaftlichen Beschäftigung Karl Christs offenbarer ausgedrückt. Vertreten werden also Wissenschaftsgeschichte und Rezeption der Antike, die römische Religions- und Geistesgeschichte, sowie die politische Geschichte der römischen Republik und Kaiserzeit, Wirtschaft, Epigraphik und Numismatik.

Eine Reihe von Artikeln behandelt die Forschungsgeschichte. Diese historiographische Thematik ist besonders interessant, weil Überlegungen zu der Tradition des eigenen Forschungsgebietes sind nötig, um das Selbstbewusstsein zu verbessern. Diese Aufsätze zeugen von soliden Kenntnissen und hohem Niveau der deutschen wissenschaftsgeschichtlichen Studien. Die grossen Namen der Altertumswissenschaft werden kritisch behandelt, u.a. Theodor Mommsen (Hans Kloft), Otto Seeck (Hartmut Leppin), Edward Gibbon (Patrick Bahners, Mortimer Chambers), Franz Altheim (Volker Losemann). Stefan Rebenich beleuchtet in seinem Aufsatz über das Verhältnis zwischen Mommsen und Seeck, den Lehrer und den Schüler. Interessant ist auch Jürgen Malitzs Aufsatz “Römertum im ‘Dritten Reich’”, in dem Hans Oppermann als Exemplum für die deutsche Altertumswissenschaft im Zweiten Weltkrieg behandelt wird. Einige Artikel darstellen die allbekannten Erklärungsversuche der antiken Geschichte. Johanna Jantsch beschreibt die Ansichten des Kirchenhistorikers Adolf von Harnack, der die sogenannte Konstantinische Wende, die Verflechtung von Kirche und Imperium Romanum als “eine höhere Stufe der Entwicklung der Menschheit” bewertete. Hartmut Leppin analysiert Otto Seeck und seinen Untergang der antiken Welt; für Seeck war die Spätantike eine Epoche des Niedergangs, in der es eine Ausrottung der Besten stattfand hat und nur die Schwächlichen übrig blieben.

W.M. Calder beschreibt die Rezeptionsgeschichte Senecas mit illustrativen Beispielen; z.B. Friedrich Leo, der Herausgeber Senecas hat im 1878 geschrieben, dass er gern alle neun Tragödien Senecas für Ovidius’ Medea verkaufen würde: “libenter enim Ovidii Medea novem Senecae tragoedias venderemus.” Calder erklärt, dass die Aufwertung Senecas in den letzten 20 Jahren die Folge von gemeinsamen Erfahrungen der Epoche Senecas und des zwanzigsten Jahrhunderts ist: wir sind die Leidengenossen Senecas geworden.

Der Europagedanke wird in den Aufsätzen Alexander Demandts und Werner Dahlheims behandelt.  Demandt analysiert die Geschichte des Begriffes in der Antike und Dahlheim erörtert die Bedeutung der antiken Kultur für die heutige Europa. In den vorigen Jahrhunderten hat man die Antike und die klassischen Vorbilder um Rat gefragt aber heute braucht Europa die Antike nicht mehr.  Dahlheim ist einverstanden mit der pessimistischen Feststellung Karl Lamprechts von 1904: “Die Antike vermag uns keine Ideale mehr zu bieten. … Die normative Geltung der Antike war dahin.”

Das Verhältnis zwischen Christentum und das Römische Reich wird in einigen Artikeln überlegt. Klaus Bringmann beschreibt die Kontinuität der römischen Begriffe Imperium und Sacerdotium  in dem christlichen Kaiserreich da der Kaiser und Kirche sich um den wahren Glauben kümmern und auf diese Weise zum Heil der Christenheit und des Einzelnen zusammenwirken sollten. In seinem Auftrag stellt Manfred Clauss ein oft diskutiertes Thema, nämlich die Christen im römischen Heer. Nach Clauss vertrugen Christliches Soldatentum und Kaisertum sich lange Zeit miteinander. In diesem Kompromiss war Pazifismus kein Problem (weil es kein christlicher Pazifismus gab) sondern der Kaiserkult.

Die antike Geistesgeschichte wird in einer Reihe von Aufsätzen vertreten: Manfred Fuhrmann reinterpretiert Ciceros Somnium Scipionis, Theodora Hantos stellt neue Überlegungen zu den politischen Gedanken Catos der Ältere, und Eckart Schütrumpf weist in seinem Artikel über philosophische Reminiszenzen bei Sallust, dass der Verfasser aus der reichen Tradition klassischen griechischen Gedankengutes übernahm. Bemerkenswert ist auch der Beitrag Hans-Ulrich Wiemers, in dem er die literarische Form und die historische Bedeutung von Kaiser Julians “Misopogon” analysiert und den “Barthasser” als eine Bezeugung der Widerstreit von Philosophie und Kaisertum bezeichnet.

Maijastina Kahlos

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